
Haben Sie mit Ihrem Körper einen Kooperationsvertrag?
Häufig übernimmt der Geist eine dominante Rolle und hat vollkommen andere Erwartungshaltungen, wie und was in welcher Zeit erledigt, geheilt oder durchgestanden sein sollte. Doch die Zellen haben auch ihr ureigenes Wissen und ganz eigenen Rhythmus, ebenso von der Natur vorgegebene Zeitfenster, wie lange Regeneration (auch leider) und Wiederherstellung dauert. https://blog.tina-knape.de/2020/08/26/wundheilungsphasen-leicht-erklaert/
Es gibt in uns Menschen verschiedene Anteile, die ungeduldig werden oder etwas vollkommen anderes dem Körper abverlangen, als dieser gerade umsetzen kann. https://blog.tina-knape.de/2022/08/11/der-innere-antreiber/ Diese Kombination fühlt sich mental und körperlich nicht wohlig an, wenn es nicht kongruent läuft.
In meiner Arbeit fallen immer wieder Sätze wie: “Der Körper macht nicht, was ich will.” “Der Körper ist gegen mich.” Soviel ist sicher: Ihr Körper hat nichts gegen Sie! Vielleicht spricht er nur eine Sprache, die Sie noch nicht verstehen und selbst erst besser kennenlernen sollten.
Doch für einige Patient*innen scheint es einen Konflikt zu geben zwischen einem “Ich” und “dem Körper”, als wären sie zwei voneinander entkoppelte Wesen. Ein Oberhaupt und eine unliebsame extra Person, die nicht macht, was man ihr abverlangt. Er soll Ruhe geben, nicht mehr weh tun oder einfach schnell wieder in voller Funktion einsatzfähig sein. Klingt nicht sehr gleichberechtigt und wertschätzend, oder? Haben Sie schon einmal gefragt, was Ihr Körper gerade braucht und sich wünscht? Für den kopflastigen Wunsch der vollen Einsatzmöglichkeit (oder der Erkenntnis, ob dieses Ziel erreichbar ist oder nicht) sind Sie der Träger des Generalschlüssels. Dafür braucht es ein freundliches Miteinander. https://blog.tina-knape.de/2019/11/22/der-beste-therapeut-sind-sie-selbst/ Für diesen Weg sind wir Therapeuten manchmal Dolmetscher und Begleiter und können Starthilfe geben.
Wir sind innen und außen, Ratio und Emotio, Körper und Geist, Denken und Fühlen, oben und unten. Und ja- manchmal scheint das schwierig zu vereinbaren zu sein. Es braucht ein Damit-auseinander-setzen, um es in seiner Gänze zu erfassen. Es nützt nichts, wenn sich mehr Spaltung zwischen Körper und dem Willen schiebt. Die Verbindung ist das Ziel. Wir sind beides, ein Geist, der steuern will. Ein Körper, der fühlt und auf seine Art Rückmeldungen gibt. Die Kombination ist die Superkraft. https://blog.tina-knape.de/2020/11/19/koerperreise/
Neulich kam eine junge Patientin zu mir, die mit ihrem Körper, der nach ihrem Geschmack nicht so gut mitmachte, wie sie erwartete, unzufrieden war. Sie konnte gut analysieren, was alles nicht “altersadäquat” und zu schmerzhaft ohne ausreichende Auslöser war. An der Matratze lag es wohl auch nicht ;). Ich schlug ihr vor, mit ihrem “störrischen Körper” doch einen Kooperationsvertrag abzuschließen. Beide Seiten gehen einen Deal des Miteinanders ein und wenden sich einander zu. Diesen Weg hatte sie bisher noch nicht ausprobiert, sondern wollte lieber weg, statts hin, es loswerden, weg machen, statt tiefer hineinzuhorchen. https://blog.tina-knape.de/2025/04/03/alles-hat-seinen-preis-auch-bewusstwerdung/
Bei einer Hinbewegung und Zugewandtheit passiert besonderes. Wenn Sie einen Knoten aus dem Seil lösen wollen, braucht es auch die Annäherung, um es zu lockern und zu entfädeln. https://blog.tina-knape.de/2020/09/10/freundlich-und-zugewandt-seinem-schmerz-begegnen/
Fazit: Vielleicht können Sie am Anfang mit dem schmerzendem Körper und den vorhandenen Symptomen nicht gleich gute Freunde werden. Doch Kooperation ist gefragt. Ein ungeduldiges Verharren und hohe Erwartungen bringen keine Nähe, um ein Lösen und Miteinander zu finden. Versuchen Sie ein neugieriges Kennenlernen der Körperbotschaften und ein Entschlüsseln der ungewohnten Sprache, um besser zu verstehen, was alles los ist.
Schließen Sie mit Ihrem Körper einen Kooperationsvertrag.