Durchschreiten, durch schreiten

Selbst schlitternd eine wichtige Bewegungsrichtung

Das Gangbild ist ein Thema mit berechtigter Relevanz und Aufmerksamkeit. Ein bewusstes Gehen bedeutet: *präsent im Körper zu sein, *seine Arme (reflektorisch) zu pendeln, wodurch eine gesunde Drehbewegung in der Brustwirbelsäule entsteht, *die Hüften zu strecken, *den Fuß komplett abzurollen — somit aufrechter, leichtfüßiger und wohliger unterwegs zu sein. Nicht nur als Prävention, sondern auch nach Operationen und Therapie, ist ein bewusster Gang das Ziel, die erreichte Bewegungserweiterung in eine Alltagsfunktion zu integrieren. https://blog.tina-knape.de/2020/01/24/gangschule-was-ist-das/

Während des Gehens mit den Armen zu pendeln, erzeugt einen gesunden Gegenschwung. https://blog.tina-knape.de/2024/10/16/der-zauber-des-armpendels/ Eine wunderbare, zum Schmunzeln bringende, musikalische Inspiration hierfür ist auch:

https://youtube.com/shorts/Dyc4GRBSR4w?si=fmViX-XoamXtPfVw

Auch im emotional Kontext ist “Durchschreiten” in meinen Augen ein tolles Wort. Viel schöner, dass wir bestimmte Lebensphasen im besten Fall durchschreiten und nicht nur trippelnd oder humpelnd “überstehen”. Wir nehmen automatisch innerlich eine andere Haltung ein, mit ausgewogenen Schritten auch schwierige Zeiten zu durchschreiten.

Ein wesentlicher Punkt, der mir in meiner Arbeit als Physiotherapeutin wiederkehrend auffällt, ist die Tendenz zur fehlenden Streckung der Hüfte beim Gehen. Das sieht dann eher wie ein Entenpopo aus und die Schrittbewegung findet nur nach vorn statt. Achten Sie einmal bei sich selbst darauf. Schreiten Sie durch? Machen Sie berechtigt lange Schritte? Kommt der Fuß deutlich am Ende der Standbeinphase bis hinter Ihre Körpermitte? Erst hinter der Körperachse wechselt es zum Spielbein und bewegt sich wieder nach vorn. Rollen Sie über den kompletten Fuß ab? Spüren Sie, wann auch Ihre Pomuskulatur arbeitet? Das ist die notwendige Einladung, dass Ihre vordere Kette einmal nicht feuert, sondern nachgibt und zulässt.

Leider bringen Sitzberufe eine gesteigerte Annäherung des Hüftbeugers und Co mit sich, die sich auch im Gangbild zeigen können. Beschwerden in der Hüfte, ein fester Bauch, Dysbalancen im Beckenboden, fehlende endgradige Alltagsbewegung wirken kontraproduktiv für einen guten Fluss im Körper und eine adäquate Streckung im Stand und erst recht im Gang.

Also gerade wenn Sie beruflich viel Sitzen oder Auto fahren: Versäumen Sie nicht, beim Durchschreiten des Flures, beim abendlichen Spaziergang oder beim Weg durch den Supermarkt auf Ihre Schrittlänge zu achten und dem Abrollen des Fusses nachzuspüren. Lassen Sie gefühlt Ihr Becken zuerst durch den Türrahmen gehen und bringen somit Länge in den vorderen Bereich des Körpers, der so häufig krumm und angenähert und eben auch angespannt seine Stunden des Tages auf dem Buckel hat.

Legen Sie sich abends vor dem Einschlafen auf den Bauch. Versuchen Sie einmal, im Wechsel, Ihre Knie zu beugen und Ihr komplettes Bein gestreckt anzuheben. Dabei werden Sie spüren, wie Ihre Gesäßmuskulatur arbeitet und die vorn liegenden Muskeln unter Dehnung kommen. Achten Sie darauf, dass Sie nicht kompensatorisch aus dem Rücken hebeln. Zum Schutz können Sie die tiefe Bauchmuskulatur anspannen.
Gehen Sie einmal ein Stück des Weges rückwärts. Das schult auch gleich noch den Gleichgewichtssinn, die Koordination und ändert die Sicht.

Das sind hier ein paar simple Beispiele einer Ausgleichsbewegung, um den Körper zwischen Beugen und Strecken und Aufrecht und Krumm wieder mehr in Balance zu bringen. https://blog.tina-knape.de/2025/11/22/das-ausgleichsprinzip-beruecksichtigen/

Somit: Schreiten Sie mehr! Innen und außen. Das sieht nebenbei auch noch elegant und kompetent aus. Ab heute: große Schritte!

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