Viel hilft viel?!

Harte Schale, weicher Kern.

Weit verbreitet sind manche Thesen zu körperlichen Belastungen oder Grenzerfahrungen als Motivation, wie die folgenden:

Viel hilft viel.
Ein echter Indianer kennt keinen Schmerz.
Ich stell mich halt einfach nicht so an. (Bevorzugte Umkehrung: Stell Dich nicht so an!)
Was mich nicht umbringt, macht mich nur noch stärker.
Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
Ohne Fleiß keinen Preis.
Wer rastet, der rostet.
Wer schön sein will, muss leiden.

Diese Herangehensweise mit “Powersprüchen” an gewisse Herausforderungen begegnet mir häufig während meiner therapeutischen Arbeit. Als Therapeutin könnte ich darauf jeweils antworten: Wer nicht hören will, muss fühlen.
Es ist erstaunlich, mit welchen Glaubenssätzen wir so durchs Leben gehen und dabei den Zugang zu unserem (Körper-)Gefühl und einer adäquaten Dosierung verlieren. https://blog.tina-knape.de/2024/10/02/dosierung-drehknopf-oder-on-off-schalter/

https://blog.tina-knape.de/2023/10/18/verbindung-halten-koennen-als-massstab-der-dosierung/

Um das richtige Maß zu finden, braucht es ein gutes Gespür für sich und den eigenen Körper. https://blog.tina-knape.de/2023/11/29/koerper-gespuer-entwickeln/.
Eine verbesserte Selbst-Wahrnehmung unterstützt die Fähigkeit, das passende Mittel zum nötigen Zweck zu sondieren. https://blog.tina-knape.de/2021/11/25/welches-mittel-zu-welchem-zweck/

Somit ist unsere stete Aufgabe, uns selbst gut kennen zu lernen, mental wie körperlich, innen wie außen. Das kann durchaus einen Doppeleffekt erzeugen. Durch das Bewegen, spüren wir uns besser. Und durch das Spüren, bewegen wir uns besser.

In den Zellen werden manchmal unbewusst Gründe dafür gespeichert, warum wir körperlich oder geistig nicht noch einmal da hinwollen, wo es weh tut. Es wäre ggf. eine Konfrontation mit einem facettenreichen Schmerz. Egal, ob es mit dem Unfall oder einer folgenschweren Verletzung zu tun hat oder an den Schmerz des 1. Liebeskummer erinnert. Eine Fehldosierung überlagert und lenkt ab. Auch eine hohe Intensität “schützt” uns trügerisch, nicht zu viel zu spüren und mit dem Alten (bereits Weggepackten) nicht übermäßig in Kontakt zu gehen. Doch: Kontakt heilt. Deswegen ist, das richtige Maß zu finden, so entscheidend. https://blog.tina-knape.de/2021/10/28/therapieziel-gute-bewegungserfahrung-sammeln/

Schließlich geht es darum, für sich selbst (möglicherweise inklusive therapeutischem Begleitschutz) ein Ausprobieren und ein Abgleichen zu initiieren und sich immer wieder zu reflektieren. Wie viel Druck ist gerade richtig und wichtig, um mich besser spüren zu können? Wann ist der Druck zu hoch, um dass ich mich nicht mehr spüre?
Für eine adäquate Dosierung braucht es Mut und Neugier zum Ausloten tagesaktueller Grenzen und Wiederaufnahme der inneren Verbindung.
Es lohnt sich. Das Lernen hört nie auf.

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